Der Drang sich selbst zu spüren - Selbstverletzendes Verhalten bei jungen Frauen
6. Diagnostik der Selbstverletzung
Selbstverletzendes Verhalten tritt im Rahmen von komplexen Störungen auf. Es gibt offensichtliche Symptome, wie bei
der schweren und mittelschweren Selbstverletzung. So sieht man Narben vom Ritzen, Verstümmeln, Verbrühen, Herausreißen
der Fingernägel oder vom Kopf gegen die Wand schlagen.
Weiterhin gibt es Symptome, die auf eine Störung in der Psyche hinweisen. Dies wird durch bestimmte Kriterien
(entweder laut internationaler Klassifikation psychischer Störungen, gegenwärtig 10. Fassung der WHO oder laut
DSM-III der psychischen Gesellschaft der USA, die speziell in der Forschung angewendet wird) festgestellt.
Welche Verhaltensauffälligkeiten zeigen sich? In welchen Situationen sind die Symptome verstärkt? Wie reagiert
die Betroffene auf dieses Problem? Die Ärzte oder Psychologen versuchen herauszufinden, ob die Betroffene innere
Leere bzw. Chaos verspürt oder ein geringes Selbstwertgefühl bzw. Selbstvertrauen hat. Untersuchungen, ob die
Betroffene in depressiver Stimmung ist, einen hohen Grad an Unruhe hat, seelisch angespannt ist, extrem zornig,
impulsiv, ängstlich, aggressiv oder reizbar ist werden veranlasst. Es wird an verschiedenen Situationen, in die
sich die Patientin hineinversetzen soll, untersucht, ob sie Probleme als Bewältigungsstrategie meidet oder
bestimmte Reaktionen, wie Aggression oder Zurückhaltung, zeigt. Die Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen
wird untersucht, weiterhin, ob sich die Patientin schmutzig, schuldig oder abgestoßen fühlt. Oft hat die Betroffene
Probleme eine normale Sexualität auszuleben oder ihre Zukunft vorauszuplanen. Sie berücksichtigt kaum Konsequenzen
und kann ihre Emotionen und Impulse kaum unter Kontrolle halten. Dadurch ist sie sehr explosiv in ihrem Verhalten
und zeigt intensiven Ärger bzw. Wut.
Die Betroffene fühlt sich unverstanden, nicht ernst genommen oder als Außenseiter. Es wird der Schlaf der Patientin
untersucht, da die Selbstverletzende oft unter Schlafstörungen leidet und gehäuft Albträume hat. Die Patientin hat
verstärkt Wahrnehmungen und Vorstellungen, die sie ängstigen, was zu so genannten Angstzuständen führt.
Oftmals isoliert sich die Selbstverletzerin von ihrer Umwelt. Sie zieht sich sozial zurück oder gibt Kontakte auf,
was zum Gefühl der Einsamkeit führt.
Die Borderline – Patientin ist daran zu erkennen, dass sie ein „Schwarzweiß-Denken“ hat, also ein „Entweder-oder
-Denken“ bzw. „Alles-oder-nichts-Denken“ . Sie ist daran zu erkennen, dass sie immer in Gefahr lebt und Risiken
nicht ausreichend einschätzen kann.
Aus allen festgestellten Symptomen wird eine umfassende Diagnose gestellt, wobei prognostische Einschätzungen für
die Schwere der Störung vom Arzt oder Psychotherapeuten einbezogen werden. Diese Diagnose ist die Grundlage für
die Behandlung.
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